Wege_Archiv

Welche Brücke ist das?

Aufnahme: Franz Heinrich Bödeker

Wo befand sich bis 1924 diese Brücke und wurde dann durch eine steinerne Brücke ersetzt?

Woher hat die dort verlaufende Straße ihren Namen?

Hohnsenbrücke

Fotos: Kirsten Kuckuck

1894 wurde der bis 1911 noch nicht vollendete Ausbau einer Chaussee vom Goschentor nach Ochtersum angeregt. Die alten Wege an der Baugewerkschule vorüber wurden ja vorteilhaft verändert, viel Erdreich aufgeschüttet, Bäume entfernt; aber bis Mai 1912 war die Chaussee vom Goschentor nur bis zur Innerste erhöht und erbreitert worden. Noch fehlte dort eine steinerne oder eiserne Flussbrücke und die so wichtige Fortsetzung des Hochweges über die Innerstewiesen nach Ochtersum zu. Auf diese Brücke hatten Ochtersumer und Hildesheimer noch bis 1924 zu warten.

Immerhin konnte schon Pfingsten 1898 ein neuangelegter Radfahrweg von der Hohnser Brücke nach Ochtersum dem Verkehr übergeben werden. Damit war zu einem Zeitpunkt, zu dem das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte und sich das Fahrrad zum Fortbewegungsmittel auch des kleinen Mannes für kleine und mittlere Entfernungen entwickelte ein nicht unwichtiger Schritt getan. Von ihm profitierten nicht nur die Ochtersumer, die diese Verbindung auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf in Hildesheim nutzten; der Ausbau bescherte auch den Ochtersumer Gasthäusern mit den Ausflüglern, die am Wochenende mit dem Rad auf dieser Strecke unterwegs waren, neue Kunden.

Hohnsen: So wurde 1898 der Name festgelegt für die bis dahin im Volksmund „Hohnser Weg“ genannte Straße vom Goschentor nach Ochtersum. Sie führt ihren Namen nach der eingegangenen Ortschaft Hohnsen (aus Hohenhusen), die etwa dort lag, wo heute die Brücke über die Innerste (Hohnsenbrücke) ihren Standort hat. Als letzter Rest dieser Siedlung befand sich hier die Hohnser Mühle, die der Rat einige Zeit als Papiermühle betrieb, bis sie 1632 von den Neustädtern verbrannt wurde.


Rex-Brauns-Straße

Fotos: Kirsten Kuckuck

Wer war Rex Brauns?

  1. Ein in Hildesheim geborener Turner.
  2. Er wirkte ab 1913 als Arbeitersekretär in Hildesheim.
Info-Tafel am Wildgatter. Foto: Kirsten Kuckuck

Antwort 1 ist richtig:

Rex Brauns (1863-1925)
Der Name des bedeutendsten Sportsmanns, der im Zusammenhang mit Ochtersum zu nennen ist, ist der des 1925 verstorbenen Turners Rex Brauns. Hier erinnert heute eine Straße an ihn. Eigentlich hieß er Georg Brauns. Sein Vater war der für die Aufforstung des Steinbergs verantwortliche Oberförster Albrecht Brauns. Da der gebürtige Hildesheimer der siebente Sohn war, übernahm der damalige Landesherr König Georg V. die Patenstelle. So kam „Rex“ zu seinem Namen.

Georg Brauns ist als gelernter Buchhändler in Frankfurt/M., Berlin, Hamburg, Lüneburg und Hannover tätig. An allen diesen Stationen wirkt er als Turner in den örtlichen Vereinen mit. 1887 legt er in Berlin seine Turnlehrerprüfung ab. 1890 begründet er in Lüneburg eine eigene Buchhandlung. 1897 geht er dann nach Hildesheim zurück und wirkt an der Leitung der im Familienbesitz befindlichen neuen Ochtersumer Ziegelei mit, die später seinen Namen trägt.
In Hildesheim schließt er sich dem Turnverein „Eintracht“ an. 1924 wird er in den Vorstand der Deutschen Turnerschaft gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehört.

Zu Antwort 2:
Ernst Hugo Braun (1878-1922) war seit 1913 Arbeitersekretär in Hildesheim. 1918 nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs wurde er Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrats. 1920 wurde er der erste besoldete Senator aus den Reihen der SPD. 1948 wurde die Verbindungsstraße zwischen der Goslarschen Landstraße und der Frankenstraße, später bis zum Berliner Kreisel in „Senator-Braun-Allee“ umbenannt.  


Godehardsplatz

Basilika St. Godehard – Foto: Roman Schliep

Welche Sehenswürdigkeit ist außer der mächtigen spätromanischen St.-Godehard-Basilika am Godehardsplatz zu besichtigen?

  1. Ein 1606 vom Domsekretär Werner gebautes auffällig  schönes, reich verziertes   Fachwerkhaus.
  2. Eine 1871 vor dem nördlichen Seitenschiff der Basilika aufgestellte Statue des hl. Godehard, mit der einer der wichtigsten Bischöfe Hildesheims geehrt wird.
Foto: Roman Schliep

Antwort 1 ist richtig:

Das „Wernersche Haus“ an der Ecke Godehardsplatz/Hinterer Brühl ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Hildesheimer Renaissancefachwerkarchitektur. Ebenso wie die St. Godehard-Basilika hat es den Bombenangriff vom 22. März 1945 relativ glimpflich überstanden und bezeugt nach einer aufwändigen Restaurierung 2010/11 auf beeindruckende Weise Hildesheims ehemaligen Ruf als „Nürnberg des Nordens“.

Eine Godehard-Statue findet sich nicht vor, sondern im Inneren der Basilika im nördlichen Querhaus. Im Jahre 1871 bekam die Straße, die vom Brühl bis zur Lucienvörder Straße an der Mühlengraben-Brücke, dem ehemaligen Standort der Godehardimühle, herabführt und bis dahin „Godehardibrink“ hieß, den Namen „Godehardsplatz“.


Marie-Wagenknecht-Straße

St. Bernward-Kirche: Ecke Marie-Wagenknecht-Straße/Linkstraße.
Foto: Karin Frank-Gerstung

Welche der folgenden Aussagen trifft über Marie Wagenknecht zu?

  1. „Sie sah die Not und aktiv, wie sie war, stellte sie sich sofort zur Verfügung.“
  2. „Während ihres Klosterlebens verlangte diese edle Seele trotz ihrer erlauchten Abstammung keine Bevorzugung, sondern verrichtete die niedrigsten Arbeiten einer Frau.“
Landkreis Hildesheim – Kreishaus.
Foto: Karin Frank-Gerstung

Aussage 1 ist richtig.

„Sie sah die Not und aktiv, wie sie war, stellte sie sich sofort zur Verfügung.“[1]

Marie Wagenknecht (geb. 13.09.1885 in Sachsenhagen) war eine der wenigen Frauen, die sich, seit die Frauen 1919 das Wahlrecht erhalten hatten, politisch engagierten. Schon bevor sie 1919 in das erste Kommunalparlament Hildesheims nach dem Untergang des Kaiserreiches gewählt wurde, engagierte sie sich für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. So ist es nicht verwunderlich, dass die Frauenbewegung in der SPD ihre politische Heimat wurde.

Sie stammte aus der bürgerlichen alteingesessenen Familie Mensching, lernte aber durch ihren Mann, der u.a. Arbeiter bei Senking war, die Arbeiterbewegung kennen. Obwohl sich die SPD vom Beginn ihrer Gründung an für das Recht der Frauen auf Erwerbsarbeit einsetzte, war Marie Wagenknecht nach ihrer Verheiratung nicht berufstätig: Sie kandidierte als Hausfrau für die politischen Ämter. 1920 gründete sie mit Elise Bartels die Hildesheimer Arbeiterwohlfahrt, deren Vorsitzende sie 1922 wurde und dies bis zur Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten 1933 blieb. Ihr Hauptanliegen war es, die Situation der Armen, der Frauen, der Kinder und Waisen in der Stadt zu verbessern und so setzte sie sich auch für mehr Bildung ein. 1945 erlaubten die Briten der AWO die Wiederaufnahme ihrer Arbeit. 1948 zog Marie Wagenknecht in den ersten frei, geheim und gleich gewählten Stadtrat ein.

Neben den politisch bewegten Zeiten, die Marie Wagenknecht durchlebte, hatte sie im Privaten 1926 den Tod ihrer erst 13-jährigen Tochter Änne infolge einer Blinddarmentzündung zu verkraften, der sie zeitlebens in Trauerkleidung gehen ließ.

Sie starb am 23.11.1970 im Alter von 85 Jahren in Hildesheim.

 Das Besondere an der Marie-Wagenknecht-Straße: Sie wurde schon mehrmals umbenannt. Sie hieß zunächst Peiner Straße, dann Carl-Peters-Straße und schließlich Bischof-Janssen-Straße. Peters war als Namensgeber nicht mehr tragbar, da er als einer der führenden Kolonialisten in Afrika die einheimische Bevölkerung mit Gewalt überzogen hatte, und Janssen wurde im Zuge der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche zur unerwünschten Person. Seit 2022 grüßt nun Marie Wagenknecht von den Straßenschildern.

Aussage 2 betrifft Elisabeth von Rantzau, 1706 gest. in Hildesheim.


[1] Hildesheimer Rundschau vom 26.11.1970, zit. n. Andrea Germer (Hg.): Töchter der Zeit. Bd. 2. S. 183.


Hannah-Arendt-Straße

Foto: Michael Wichmann

Wer war Hannah Arendt?

Hannah Arendt war eine jüdische deutsch-US-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin. Sie erhielt 1967 den „Siegmund-Freud-Preis“ für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Hannah Arendt war eine deutsche Sozialreformerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin. Nach der Einführung des passiven Wahlrechts für Frauen hielt sie am 19.02.1919 in der Weimarer Nationalversammlung als erste Frau eine Rede.

Antwort 1 ist richtig:

Der Straßenname „Hannah-Arendt-Straße“ (15.03.2010) wurde Hannah (Johanna) Arendt gewidmet, die am 14.10.1906 in Hannover geboren wurde und am 04.12.1975 in New York starb. Nach ihrer Schulzeit in Königsberg studierte sie in Marburg, Freiburg und Heidelberg Philosophie. 1933 wurde Arendt wegen illegaler Tätigkeit für die „Zionistische Vereinigung Deutschland“ in Berlin verhaftet, aber nach kurzem Gefängnisaufenthalt wieder frei gelassen. Im Jahre 1941 floh sie mit ihrem Mann in die USA. Das „Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V.“ wurde 1993 an der Technischen Universität in Dresden eröffnet. Die Stadt Bremen verleiht seit 1994 jährlich den „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken“.

Die Straße befindet sich im Baugebiet „Neues Wohnen am Steinberg“ und verläuft parallel zur Mildred-Scheel-Straße.  Sie grenzt an die Lise-Meitner-Straße sowie an die Marie-Curie-Straße.


Bischof-Gerhard-Straße

Foto: Michael Wichmann

Nach wem ist die Bischof-Gerhard-Straße benannt?

  1. Die Straßenbenennung nimmt Bezug auf einen Bischof vom Berge (hier gemeint: Moritzberg als ehemals selbständigen Ort)
  2. Die Benennung der Straße erinnert an einen Bischof vom Berge (Mitglied eines Adelsgeschlechts, das ab 1096 auf der Schalksburg oberhalb von Hausberge in Porta Westfalica herrschte.

Antwort 2 ist richtig:

Der Straßenname „Bischof-Gerhard-Straße“ (Benennung 1927) erinnert an Bischof Gerhard vom Berge (Hildesheimer Bischof von 1365-1398, vorher Domkantor und Domdechant in Minden, anschließend bis 1365 Bischof von Verden). Er stammte aus dem Haus der Herren vom Berge, die bei Minden ihren Sitz hatten. 

Als Hildesheimer Bischof beendete er einen Konflikt wegen territorialer Streitigkeiten zwischen dem Welfenhaus und dem Hochstift Hildesheim in der Schlacht bei Dinklar siegreich. Später baute er im Süden der Burganlage Poppenburg den mächtigen wohnturmartigen Palas (repräsentativer Saalbau einer Burg). Darüber hinaus stiftete er das Karthäuserkloster vor dem Dammtor, das in der Nähe der heutigen Straße lag.

Die Straße liegt im Stadtteil Moritzberg und grenzt in ihrem Verlauf im Norden an die Mittelallee (eine der breitesten und repräsentativsten Straßen in Hildesheim) und im Süden an die Steinbergstraße. 


Hagentorwall

Die Hexentreppe am Hagentorwall

Worauf bezieht sich der Name Hagentorwall?

  1. Namensgeber dieser Straßenbezeichnung ist die westfälische Großstadt Hagen, die häufig als „Tor zum Sauerland“ bezeichnet wird. 
  2. Die Bezeichnung kommt aus dem Altdeutschen „Hag“, was Hecke bedeutet und eine Einfriedung aus Gebüsch meint.
Die drei Eulen im Liebesgrund blicken auf den Hagentorwall

Antwort 2 ist richtig:

Die Bezeichnung kommt aus dem Altdeutschen „Hag“, was Hecke bedeutet und eine Einfriedung aus Gebüsch meint.

Der Hagentorwall wurde am Ende des 16. Jahrhunderts gebaut, da sich die Stadt gegen den Beschuss mit Artillerie nur noch mit hohen und festen Wällen schützen konnte. Um das Schlagen von Breschen zusätzlich zu erschweren, sicherte man die Wälle nach außen mit tiefen Gräben.

Der Straßenname Hagentorwall wurde erstmals 1853 in einem Adressbuch erwähnt. Das Hagentor, das dem Wall seinen Namen gab, wurde schon 1290 erstmals erwähnt. Ab dem 13. Jahrhundert geht man von einer geschlossenen Ummauerung der Stadt aus, die lediglich durch die Stadttore unterbrochen wurde. 1813 wurde das Tor abgebrochen.


Mitglied im BVGD - Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e. V. - www.bvgd.org